Vom 15. bis 19. Oktober 2008
Der Frankfurter Buchmesse geht es nicht nur um die Ware Buch, sondern auch um kulturellen Austausch über nationale Grenzen hinaus. Seit 1976, anfangs in jedem zweiten, seit 1988 in jedem Jahr, nutzt ein Ehrengast das bedeutendste Treffen der internationalen Bücherwelt um seine Literatur, Kultur und Geschichte zu präsentieren und in Dialog mit der Branche zu treten. 2007 war die Katalanische Kultur Ehrengast in Frankfurt, 2008 folgt die Türkei und nach China in 2009 wird Argentinien 2010 die Reihe fortsetzen.
Bildung stellt nicht nur einen Wachstumsmarkt für die Buch- und Medienbranche dar. Wegen der hohen Analphabetenrate in vielen Ländern ist sie auch ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema.
Neben Bildung finden zahlreiche weitere Themenschwerpunkte wie Belletristik, Hörbuch oder Übersetzung ihren Platz im Programm der Frankfurter Buchmesse.
Egal, für welches Thema in der Welt des Buches Sie sich interessieren: Hier wird jeder mit Sicherheit fündig.
Quelle und weitere Infos unter:
http://www.buchmesse.de
Dienstag, 22. Juli 2008
Montag, 9. Juni 2008
Leseprobe Teil 3
Aus dem Buch
Marschbefehl ins Ungewisse
von Ernst Albrecht

GEFANGEN IM TODESLAGER
…..Spät abends erreichten wir die vollkommen zerstörte Stadt Wesel. Wir überquerten den Rhein auf einer Pontonbrücke und kamen am 19. April nachts in Rheinberg an. Hier waren mit Stacheldrahtrollen Lagerfelder abgeteilt worden, worin man uns beorderte. Beim Absteigen vom Lkw nahmen wir unter aller Vorsicht die beiden Ami-Decken mit. Das war gut, denn sie sollten in der nächsten Zeit unser einziger Schutz gegen Wind und Wetter sein.
Es war ein kalter, unangenehmer April mit häufigem Schneefall, Regen und Nachtfrösten. In der Morgendämmerung sahen wir, dass wir in der Nähe einer Bahnlinie übernachtet hatten. Übernachtet? Gestanden, zusammengehockt, wie das so möglich war auf freiem Feld. An Schlaf war in dieser Situation überhaupt nicht zu denken.
Am Tage stellten wir fest, dass Gefangene – Prisoner of War (PW) – an anderen Stellen im Gelände Zäune errichteten. Zwei oder drei Wachtürme waren bereits erbaut, die jeweils mit zwei Amis besetzt waren. Unübersehbar ragte ein Maschinengewehr über die Brüstung des Turmes, wachsam und lauernd. Wer sich dem Zaun zu sehr näherte, konnte damit rechnen, dass ein schießwütiger Ami gnadenlos auf ihn ballerte. Der Gedanke an Flucht wurde damit schon im Keim erstickt. ….
….Uns fiel auf, dass ältere Landser sich leere Pappkartons und Blechdosen erhaschten. Wofür sollte das gut sein? Das erkannten wir aber schnell. Die Dosen wurden zu Schaufeln um sich Schutzlöcher in der Erde herzurichten. Wie bereits erwähnt, das Wetter im April war scheußlich und winterlich nasskalt. Diejenigen, die Pappe hatten, nutzten sie als Schlafunterlage im Feldloch. Die Dosen dienten außerdem dazu um seine lebensnotwenige Ration Wasser zu holen. Aber wie kam man an Pappe und Dosen heran? Irgendwie mit acht Augen klappte es dann schließlich mal.
Jetzt waren wir auf der Hut und machten uns daran, es diesen alten Hasen nachzueifern. Mit einer Blechdose schaufelten, besser gesagt, kratzten wir uns in den harten Lehmboden eine Vertiefung von zwanzig bis dreißig Zentimeter, in ungefähren Längen- und Breitenmaßen für uns vier Personen. Die ausgehobene Erde wurde als kleiner Wall um unsere Schlafgrube angelegt. So verschafften wir uns Schutz gegen den eisigen Wind, der übers freie Feld fegte. Wenn es allerdings regnete, nahmen wir unsere Pappunterlage unter den Arm und stellten uns dicht zusammen in unsere Schlafstätte. So konnten wir bei starkem Regen gleich feststellen, ob unsere Mulde nicht zur Badewanne wurde. Damit das Wasser versickern konnte, kratzten wir eine Vertiefung in die Mulde….
….Es gab Soldaten, die sich mit der Blechdose eine Höhle ins Erdreich scharrten. Allerdings hatte diese oft einen bedauerlichen, ja tödlichen Nachteil. Durch die häufigen Regengüsse im April weichte der Boden so weit auf, dass diese Höhlen zusammenbrachen und ihre Bewohner während des Schlafes lebendig begruben, vom Schlamm erstickt. …
….Dieser Wassertank wurde zu Beginn einmal am Tag gefüllt. Wir standen in langen Schlangen vor dem Zapfhahn. Mehr als eine Blechdose, etwa 0,5 bis 0,7 Liter chlorhaltiges Wasser bekam keiner. Wer Pech hatte und am Ende der Schlange stand, ging unter Umständen schon mal leer aus. Mit unseren Zigaretten kauften wir manche halbe Dose Wasser anderen Gefangenen ab. ….
….Es dauerte nicht lange, da brach die Ruhr aus. Eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit des Darms, die das total geschwächte Immunsystem angriff. Wer konnte sich denn pflegen, waschen oder gar duschen? Keiner! Dafür war ja auch kein Wasser vorhanden. Hygiene gab es überhaupt nicht. Seit unserem Aufenthalt in Gommern hatten wir keine Möglichkeit gehabt uns zu waschen. Geduscht hatten wir zuletzt Anfang April in Zerbst. Zusätzlich durchnässte der Regen ständig unsere Kleidung, eine Wolke penetranten Modergeruchs umgab jeden. Man ekelte sich wahrlich vor sich selbst, wenn man darüber nachdachte. Doch mit der Zeit nahm man dies in der stumpfsinnigen Eintönigkeit nicht einmal mehr wahr. Das Einzige, was wirklich zählte, war Nahrung und das nackte Überleben.....
Wissenswertes zu diesem Thema findet sich auch auf folgenden Seiten:
http://www.rheinwiesenlager.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinwiesenlager
Marschbefehl ins Ungewisse
von Ernst Albrecht

GEFANGEN IM TODESLAGER
…..Spät abends erreichten wir die vollkommen zerstörte Stadt Wesel. Wir überquerten den Rhein auf einer Pontonbrücke und kamen am 19. April nachts in Rheinberg an. Hier waren mit Stacheldrahtrollen Lagerfelder abgeteilt worden, worin man uns beorderte. Beim Absteigen vom Lkw nahmen wir unter aller Vorsicht die beiden Ami-Decken mit. Das war gut, denn sie sollten in der nächsten Zeit unser einziger Schutz gegen Wind und Wetter sein.
Es war ein kalter, unangenehmer April mit häufigem Schneefall, Regen und Nachtfrösten. In der Morgendämmerung sahen wir, dass wir in der Nähe einer Bahnlinie übernachtet hatten. Übernachtet? Gestanden, zusammengehockt, wie das so möglich war auf freiem Feld. An Schlaf war in dieser Situation überhaupt nicht zu denken.
Am Tage stellten wir fest, dass Gefangene – Prisoner of War (PW) – an anderen Stellen im Gelände Zäune errichteten. Zwei oder drei Wachtürme waren bereits erbaut, die jeweils mit zwei Amis besetzt waren. Unübersehbar ragte ein Maschinengewehr über die Brüstung des Turmes, wachsam und lauernd. Wer sich dem Zaun zu sehr näherte, konnte damit rechnen, dass ein schießwütiger Ami gnadenlos auf ihn ballerte. Der Gedanke an Flucht wurde damit schon im Keim erstickt. ….
….Uns fiel auf, dass ältere Landser sich leere Pappkartons und Blechdosen erhaschten. Wofür sollte das gut sein? Das erkannten wir aber schnell. Die Dosen wurden zu Schaufeln um sich Schutzlöcher in der Erde herzurichten. Wie bereits erwähnt, das Wetter im April war scheußlich und winterlich nasskalt. Diejenigen, die Pappe hatten, nutzten sie als Schlafunterlage im Feldloch. Die Dosen dienten außerdem dazu um seine lebensnotwenige Ration Wasser zu holen. Aber wie kam man an Pappe und Dosen heran? Irgendwie mit acht Augen klappte es dann schließlich mal.
Jetzt waren wir auf der Hut und machten uns daran, es diesen alten Hasen nachzueifern. Mit einer Blechdose schaufelten, besser gesagt, kratzten wir uns in den harten Lehmboden eine Vertiefung von zwanzig bis dreißig Zentimeter, in ungefähren Längen- und Breitenmaßen für uns vier Personen. Die ausgehobene Erde wurde als kleiner Wall um unsere Schlafgrube angelegt. So verschafften wir uns Schutz gegen den eisigen Wind, der übers freie Feld fegte. Wenn es allerdings regnete, nahmen wir unsere Pappunterlage unter den Arm und stellten uns dicht zusammen in unsere Schlafstätte. So konnten wir bei starkem Regen gleich feststellen, ob unsere Mulde nicht zur Badewanne wurde. Damit das Wasser versickern konnte, kratzten wir eine Vertiefung in die Mulde….
….Es gab Soldaten, die sich mit der Blechdose eine Höhle ins Erdreich scharrten. Allerdings hatte diese oft einen bedauerlichen, ja tödlichen Nachteil. Durch die häufigen Regengüsse im April weichte der Boden so weit auf, dass diese Höhlen zusammenbrachen und ihre Bewohner während des Schlafes lebendig begruben, vom Schlamm erstickt. …
….Dieser Wassertank wurde zu Beginn einmal am Tag gefüllt. Wir standen in langen Schlangen vor dem Zapfhahn. Mehr als eine Blechdose, etwa 0,5 bis 0,7 Liter chlorhaltiges Wasser bekam keiner. Wer Pech hatte und am Ende der Schlange stand, ging unter Umständen schon mal leer aus. Mit unseren Zigaretten kauften wir manche halbe Dose Wasser anderen Gefangenen ab. ….
….Es dauerte nicht lange, da brach die Ruhr aus. Eine durch Bakterien verursachte Infektionskrankheit des Darms, die das total geschwächte Immunsystem angriff. Wer konnte sich denn pflegen, waschen oder gar duschen? Keiner! Dafür war ja auch kein Wasser vorhanden. Hygiene gab es überhaupt nicht. Seit unserem Aufenthalt in Gommern hatten wir keine Möglichkeit gehabt uns zu waschen. Geduscht hatten wir zuletzt Anfang April in Zerbst. Zusätzlich durchnässte der Regen ständig unsere Kleidung, eine Wolke penetranten Modergeruchs umgab jeden. Man ekelte sich wahrlich vor sich selbst, wenn man darüber nachdachte. Doch mit der Zeit nahm man dies in der stumpfsinnigen Eintönigkeit nicht einmal mehr wahr. Das Einzige, was wirklich zählte, war Nahrung und das nackte Überleben.....
Wissenswertes zu diesem Thema findet sich auch auf folgenden Seiten:
http://www.rheinwiesenlager.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinwiesenlager
Sonntag, 8. Juni 2008
Dienstag, 29. April 2008
Leseprobe Teil 2
Aus dem Buch
Marschbefehl ins Ungewisse
von Ernst Albrecht
Meine Zeit beim Reichsarbeitsdienst
Weitere Informationen unter www.endeavour-verlag.com
Marschbefehl ins Ungewisse
von Ernst Albrecht
Meine Zeit beim Reichsarbeitsdienst
In weiser Voraussicht hatten wir in allen wichtigen Bereichen losen Sand und gefüllte Sandsäcke deponiert. Überall in unseren Batteriebereichen wurde herumgeschrieen und kommandiert.
Wie bereits erwähnt, unsere Stellung war von Schrebergärten umgeben. In mehreren Gärten brannten die Gartenhäuser. Auch der Hühnerstall mit Gartenlaube unserer Nachbarn, einem älteren Ehepaar, dem ich immer bei der Gartenarbeit geholfen hatte, war getroffen und brannte lichterloh. Ihre Hühner verbrannten im lodernden Feuer.
Das war aber noch nicht alles, das Schlimmste stand uns noch bevor. Wenige Augenblicke später entdeckten wir erneut den Anflug eines Pulks Bomber. Dieser warf nun Sprengbomben ab. Deutlich konnten wir wieder das Ausklinken der Bomben erkennen. Die Maschinen flogen nördlichen Kurs, aber mehr zu den Klöckner Werken. Ein Teppich von acht bis zehn Bomben fiel heulend in unsere Stellung und schlug einige Meter vom Zweiten Geschütz entfernt ein, wo sie explodierten und mächtige Bombenkrater hinterließen. Die Mannschaft lag im Geschützbereich hinter dem Schutzwall. Zahlreiche Bomben gingen in Richtung Klöckner Werke herunter.
Bei der guten Sicht, dem Erkennen der einzelnen Flugzeuge im Pulk, hätte ein Zielbeschuss mit der 10,5 cm Flak, wie ich sie von der Heimatflak in Wilhelmshaven kannte, zum erfolgreichen Abschuss führen können. Mit einer 3,7 cm Kanone auf hochfliegende Objekte schießen zu wollen, bleibt erfolglos. Der Einsatz dieser Flak-Batterien der Abtlg. 2/194 in Osnabrück war ein Witz. Man muss davon ausgehen, dass sie lediglich aufgestellt wurden um der Bevölkerung Beruhigung zu bieten. In den vier Monaten meines Aufenthaltes bei dieser Flak-Abteilung war keines der Geschütze jemals zum Schuss gekommen.
Der diensttuende Flugmelder wurde zum Glück nur leicht verwundet. Rasch hatten wir in unserer Batterie alles unter Kontrolle und konnten uns den Schaden ansehen. Soweit wir erkennen konnten, war unsere Umgebung noch glimpflich davongekommen. Neben unserer Zug-Befehlsstelle (ZB) war ein Mann in seinem Garten von den Phosphorbomben getroffen worden und verbrannt. Er lag als gekrümmte, nackte, braune Leiche auf dem Boden.
Nie zuvor hatte ich so etwas gesehen. Warum mussten Menschen so elendig sterben?
Wir bekamen keine Zeit, diesen Gedanken zu Ende zu führen. Am Schöler Berg, südwestlich vom Fledder war eine am Hang gelegene Wohnhausreihe von den Bomben getroffen worden. Wir erhielten den Befehl, uns sofort dorthin zu begeben um Verschüttete aus den Trümmern zu bergen.
Mühsam hatten wir uns an einem von Bomben getroffenen Wohnhaus bis in einen Keller vorgearbeitet. Mit vereinten Kräften gelang es uns, mehrere Personen wohlbehalten zu retten. Ein grauer Staub- und Brandschleier mit modrigem Geruch erfüllte den dämmerigen Raum. …..
Wie bereits erwähnt, unsere Stellung war von Schrebergärten umgeben. In mehreren Gärten brannten die Gartenhäuser. Auch der Hühnerstall mit Gartenlaube unserer Nachbarn, einem älteren Ehepaar, dem ich immer bei der Gartenarbeit geholfen hatte, war getroffen und brannte lichterloh. Ihre Hühner verbrannten im lodernden Feuer.
Das war aber noch nicht alles, das Schlimmste stand uns noch bevor. Wenige Augenblicke später entdeckten wir erneut den Anflug eines Pulks Bomber. Dieser warf nun Sprengbomben ab. Deutlich konnten wir wieder das Ausklinken der Bomben erkennen. Die Maschinen flogen nördlichen Kurs, aber mehr zu den Klöckner Werken. Ein Teppich von acht bis zehn Bomben fiel heulend in unsere Stellung und schlug einige Meter vom Zweiten Geschütz entfernt ein, wo sie explodierten und mächtige Bombenkrater hinterließen. Die Mannschaft lag im Geschützbereich hinter dem Schutzwall. Zahlreiche Bomben gingen in Richtung Klöckner Werke herunter.
Bei der guten Sicht, dem Erkennen der einzelnen Flugzeuge im Pulk, hätte ein Zielbeschuss mit der 10,5 cm Flak, wie ich sie von der Heimatflak in Wilhelmshaven kannte, zum erfolgreichen Abschuss führen können. Mit einer 3,7 cm Kanone auf hochfliegende Objekte schießen zu wollen, bleibt erfolglos. Der Einsatz dieser Flak-Batterien der Abtlg. 2/194 in Osnabrück war ein Witz. Man muss davon ausgehen, dass sie lediglich aufgestellt wurden um der Bevölkerung Beruhigung zu bieten. In den vier Monaten meines Aufenthaltes bei dieser Flak-Abteilung war keines der Geschütze jemals zum Schuss gekommen.
Der diensttuende Flugmelder wurde zum Glück nur leicht verwundet. Rasch hatten wir in unserer Batterie alles unter Kontrolle und konnten uns den Schaden ansehen. Soweit wir erkennen konnten, war unsere Umgebung noch glimpflich davongekommen. Neben unserer Zug-Befehlsstelle (ZB) war ein Mann in seinem Garten von den Phosphorbomben getroffen worden und verbrannt. Er lag als gekrümmte, nackte, braune Leiche auf dem Boden.
Nie zuvor hatte ich so etwas gesehen. Warum mussten Menschen so elendig sterben?
Wir bekamen keine Zeit, diesen Gedanken zu Ende zu führen. Am Schöler Berg, südwestlich vom Fledder war eine am Hang gelegene Wohnhausreihe von den Bomben getroffen worden. Wir erhielten den Befehl, uns sofort dorthin zu begeben um Verschüttete aus den Trümmern zu bergen.
Mühsam hatten wir uns an einem von Bomben getroffenen Wohnhaus bis in einen Keller vorgearbeitet. Mit vereinten Kräften gelang es uns, mehrere Personen wohlbehalten zu retten. Ein grauer Staub- und Brandschleier mit modrigem Geruch erfüllte den dämmerigen Raum. …..
Weitere Informationen unter www.endeavour-verlag.com
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